|
Ameli
H. v. Treufenfels
Dabei seit: 05.10.2009
Beiträge: 8
|
Ich habe für 3 Monate an der Dublin HD gearbeitet. Für das Praktikum war ich in einem neuropsychologischen Forschungsteam untergebracht. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Wirksamkeitsstudien von Brain Trainings in ganz verschiedenen Altersgruppen. In den 3 Monaten in denen ich an der DHD gearbeitet habe, gab es aktuell leider keine Studie in deren Rahmen ich hätte rekrutieren, screenen oder testen können. So war ich stattdessen für die Auswertung und Koordination bereits erhobener Daten verantwortlich. Ich war in einem Team mehrerer Praktikanten bzw. Forschungsassistenten dafür zuständig, große Datenmengen aus 2 multizentrischen Studien mit SPSS auszuwerten und die Ergebnisse kurz darzustellen. Teilweise habe ich auch organisatorische Aufgaben übernommen. Zudem habe ich einige Literaturrecherchen durchgeführt und kurze Reviews zu verschiedenen Themen verfasst. Ich habe in einem großen Büro mit einer deutschen und einer amerikanischen Praktikantin gearbeitet, was sehr nett war. Außerdem saßen in dem Büro auch zwei irische Studenten, sodass wir uns auch mit denen etwas austauschen konnten. Mittags sind wir immer alle gemeinsam in die Kantine gegangen. Tee konnte man den ganzen Tag über in der kleinen Küche in unserer Abteilung kochen – typisch irisch, ohne Tee geht gar nichts. Der Tee passt auch zur irischen Arbeitsmoral. Alles wird wirklich sehr locker gehandhabt. Ich habe immer erst um 9:30 Uhr anfangen müssen und man konnte zwischendurch gerne mehrere Pausen einlegen. Wenn ich einen Tag frei wollte, z.B. wegen Besuch, so war das überhaupt kein Problem. Die Iren sind wirklich ein ganz liebes, herzliches und freundliches Volk und es war immer Zeit für einen netten Plausch.
Ich muss ehrlich gestehen, dass mich die Arbeit in dem Projekt etwas enttäuscht hat. Ich kam mir zeitweise eher wie eine wissenschaftliche Hilfskraft vor, die einfach Arbeit weggeschafft hat, allerdings eben ohne Bezahlung. Wir fühlten uns etwas isoliert und eher nicht so gut integriert. Das lag aber wie gesagt sicherlich auch daran, dass gerade Ferien waren. Eigenverantwortlich durften wir schon arbeiten, aber die Anforderungen waren auch nicht gerade sehr hoch, sodass das wirklich nicht schwierig war. Die Zusammenarbeit hat gut funktioniert, unter uns Praktikanten sowieso und unserer Betreuerin konnten wir jederzeit Fragen stellen. Ich muss zugeben, dass es außerdem nicht gerade der beste Zeitpunkt ist, so ein Praktikum nach dem Diplom zu machen. Ich hätte dieses Praktikum nach dem Vordiplom sicherlich als sehr wertvoll empfunden.
Alltag und Freizeit: Dublin ist eine sehr faszinierende Stadt. Es leben sehr viele junge Menschen dort und es gibt wie ich finde unheimlich viel zu entdecken. An vielen Orten sieht es heruntergekommen aus, doch das gehört dazu. Irland war lange sehr arm und ist nun mitten in der Wirtschaftskrise. Es gibt aber viele wunderschöne Gebäude, Brücken und Stimmungen, dazu einige moderne und wirklich gut gelungene architektonische Highlights (z.B. die Samuell Beckett Bridge in den Docklands). Ich bin wahnsinnig gerne durch diese kitschige und lebendige, jedoch keineswegs hektische Stadt gelaufen und habe mich von der Atmosphäre begeistern lassen. Gerade das Ausgehviertel Temple Bar und die Sträßchen rund um Grafton Street sind sehr schnuckelig mit vielen süßen Cafes (Bewleys Cafe!), interessanten und ausgefallenen Läden und Pubs (Porterhouse, Fitzsimmons, The Globe etc.). Leider ist wirklich alles sehr teuer. Aber die Pubs sind meistens wunderschön und das Cider sehr lecker. Was mich sehr begeistert hat, ist die viele Musik, die in den Pubs allabendlich gespielt wird. Es gab sehr traditionelle Bands, doch auch ganz moderne und ausgefallene Sachen, mit dem ein oder anderen außergewöhnlichen Stimmchen. Die Clubs sind alles recht teuer, doch die braucht keiner, denn es gibt viele Kneipen mit Bühne und Tanzbereich (z.B. The Mezz), das macht viel mehr Spaß. Außerdem ist Dublin ein Shopping-Paradies. In Dublin sind alle Nationalmuseen und -bibliotheken umsonst, sodass man die sich alle angucken kann. Die meisten sind auch wirklich gut, in einem gibt es Moorleichen zu besichtigen, im anderen Picasso und Matisse. Auch sehenswert ist das Kilmainham Goal, in dem man viel über Irlands turbulente Geschichte erfahren kann. Außerdem ist das Book of Kells ein Muss für jeden Besuch in Dublin, die zugehörige Bibliothek versetzt den Besucher in einem Harry Potter Film. Auch die Parks, wie St. Stephens Green, Phönix Park (dafür sollte man sich am Eingang ein Rad ausleihen) oder Merrion Square sind schön. Was Ausflüge in die Umgebung angeht, kann ich Howth wärmstens empfehlen. Die Halbinsel gehört noch zu Dublin dazu und ist mit Bus oder Dart gut erreichbar. Dort bekommt man alles geboten, was man sich von einem Wochenende in Irland vorstellt. Ein süßer Fischerhafen, wunderschöne saftig-grüne Inseln, ein Wochenendmarkt, eine verwilderte Küste mit vielen schönen Wandermöglichkeiten, ein Kirchenruine, ein Schloss und die besten Fish & Chips der Stadt. Weitere Tagesausflüge kann man mit der Dart nach Malahide machen und von dort nach Portmarnock an den Strand laufen, nach Dalkey fahren oder nach Greystones und von dort nach Bray wandern. Außerdem sollte man natürlich Galway, Connemara und die Klippen von Moher an der Westküste nicht verpassen, dafür braucht man aber mehrere Tage zur Verfügung. Mit Gobus kann man für 10 Euro nach Galway fahren.
Fazit: Alles in allem hatte ich dank World of Xchange eine tolle Zeit in Dublin. Ich bin mit vielen wertvollen Erfahrungen heim gereist und sicher, dass ich einmal wiederkommen werde. Ich hatte zwar etwas Startschwierigkeiten und war mit dem Praktikum nicht so ganz zufrieden, doch alles keine schwerwiegenden Dinge. Ich kann Dublin jedem empfehlen, der an Irland, der Geschichte und den Menschen interessiert ist. Man sollte sich jedoch nicht das kleine schnuckelige Irland vorstellen, denn das gibt es nur an manchen Ecken und eher weniger in Dublin. Doch die Stadt ist so vielseitig und spannend, sie hat eine ganz eigene Schönheit. Und auch die unheimlich netten Menschen, machen einen Aufenthalt in diesem Land zu etwas besonderem. Und ich denke, wenn man nicht gerade zu einer ungünstigen Zeit in ein Unternehmen kommt, sondern dann wenn auch spannende Aufgaben zu tun sind, dann ist es der perfekte Ort für ein Auslandspraktikum. Das Wetter ist gar nicht so schlimm, wie man annimmt und man ist nicht allzu weit weg, so dass man sich auch über Besuch aus der Heimat freuen kann. Das Leben ist teuer, aber etwas ganz besonderes. Die Sprache ist zu Anfang nicht ganz einfach zu verstehen, doch sehr melodiös und von rauer Schönheit. Ich bin froh, dort gelebt haben zu dürfen und wundervolle Menschen kennengelernt zu haben. ‘Tis wunderful!
|